Hors-série franco-allemand (32 oeuvres)
© Photo RMN-Grand Palais - G. Blot
Titel : Jérôme Bonaparte, König von Westphalen.
Autor : François-Joseph BOSIO (1768-1845)
Entstehungsdatum : 1812
Dimensionen : Hauteur 206 cm - Largeur 110 cm
Technik und weitere Angaben : Weißer Marmor.
Konservierungsort : Mairie d'Ajaccio (Ajaccio)
Copyright-Vertrag : Agence photographique de la Réunion des musées nationaux. 254/256 rue de Bercy 75577 Paris CEDEX 12. Courriel : photo@rmn.fr ; Webseite
Bildreferenz : 08-513601 / MNA 847.1.1
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Titel : Schwur auf die westfälische Flagge.
Autor : Louis DUPRE (1789-1837)
Dimensionen : Hauteur 180 cm - Largeur 360 cm
Technik und weitere Angaben : Öl auf Leinwand.
Louis Dupré, zugeschrieben.
Konservierungsort : Musée national du Château de Fontainebleau (Fontainebleau) ; Webseite
Copyright-Vertrag : Agence photographique de la Réunion des musées nationaux. 254/256 rue de Bercy 75577 Paris CEDEX 12. Courriel : photo@rmn.fr ; Webseite
Bildreferenz : N 27
Ein Modellstaat im Herzen Deutschlands
1807 unterzeichnen Napoleon und Zar Alexander I. in Tilsit ein Friedensabkommen, das die Grundlage der Neuordnung Europas, wie sie vom französischen Kaiser auf dem Höhepunkt seiner Macht geschaffen wurde, sein sollte. Letzterer hat zu diesem Zeitpunkt bereits Österreich, Preußen und Russland besiegt und beherrscht Kontinentaleuropa. Das Königreich Westphalen wird im Herzen des ehemaligen Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nationen gegründet. Napoleon setzt seinen jüngsten Bruder, Jérôme (1784-1860), an die Spitze des neuen Staates. Letzterer lässt sich in Kassel, der ehemaligen Residenzstadt von Kurhessen, nieder.
Napoleon will diese neugegründete Regionalmacht an der Grenze seines Kaiserreichs als Puffer zwischen Frankreich und Preußen nutzen, teilt ihr aber auch die Rolle eines Modellstaats für die Nachbarstaaten zu. So überreicht Napoleon seinem Bruder Jérôme im November 1807 eine Verfassung für sein Königreich, welche die erste in den deutschen Staaten sein sollte. Der Kaiser erinnert den König an die Ziele seiner Politik:
„Mein Bruder, anbei die Verfassung Eures Königreichs (...). Die Völker Deutschlands wünschen sich voller Ungeduld, dass die Menschen, die über keinen Adelstitel verfügen aber Talent haben, gleiches Recht auf Eure Würdigung und auf Eure Erwägung bekommen. Sie erwarten, dass jede Form der Leibeigenschaft und Distanz zwischen dem Herrscher und der unteren Klasse des Volkes abgeschafft werden. Die Segnungen des Code Napoléon, die allgemeine Einführung der diesbezüglichen Verfahren, die Einrichtung der Geschworenengerichte werden allesamt Eure Monarchie kennzeichnen. (…)
Unsere Völker müssen in den Genuss einer Freiheit, einer Gleichheit und eines Wohlbefindens kommen, wie sie die Völker Germaniens bisher nicht kannten. (...)
Seid ein konstitutioneller König! Sollten die Vernunft und die Aufklärung Eures Jahrhunderts nicht überzeugend genug sein, dann würde Euch dies in Eurer Position eine gute Politik befehlen. So hättet Ihr eine Überzeugungskraft und einen natürlichen Einfluss auf Eure Nachbarn, die als absolute Herrscher fungieren.“
Der Schwur als Gründungsakt des Vertrags zwischen König und Gesellschaft
Während eines Aufenthalts in Paris im Jahre 1810 lässt sich Jérôme von Bosio porträtieren. Mit dem Brustbild zufrieden, verbreitet der König von Westphalen das Werk in seinem ganzen Königreich und gibt bei dem monegassischen Bildhauer zwei Fußbilder in Auftrag, darunter eines, auf dem er in seinem königlichen Gewand dargestellt ist.
Sich nach rechts wendend, steht Jérôme aufrecht da. Seine linke Hand ruht auf dem königlichen Schwert, sein rechter Arm ist zum Schwur erhoben. Die selbstsichere Geste findet im idealisierten Gesicht des Modells ihr Spiegelbild. Die Details des prächtigen Königgewands kennzeichnen sich durch einen erstaunlichen Realismus.
Ursprünglich streckte Jérôme seinen rechten Arm über einem Sockel aus, auf dem eine Krone lag. Im November 1807 hatte ihm Napoleon empfohlen, diese Haltung während der ersten Sitzung der Landesstände einzunehmen: „Ihr werdet die Verfassung entgegennehmen, und Ihr werdet schwören, sie einzuhalten.“
Jérômes Fußbild ist das erste Marmorstandbild eines konstitutionellen Königs.
Ein Maler, zweifelsohne Louis Dupré, stellte den Schwur des König anders dar, nämlich in Anwesenheit von Offizieren der Armee. Die Szene könnte sich auf ein tatsächliches Ereignis beziehen, könnte aber auch eine idealisierte Komposition sein, die Dupré 1810 oder 1811 begann.
Während Jérômes Herrschaft wurden in Kassel vor der Orangerie (erster Versammlungsort der Stände Westphalens) Schwüre auf die Flagge und den König geleistet. Letztere sollten das Gefühl der nationalen Identität in einem aus dem Nichts geschaffenen Staat stärken. Doch Jérôme wollte durch dieses Werk auch seine Unabhängigkeit bekunden. Der königliche Hof, der sich auf einer Tribüne um den Sessel von Königin Katharina von Württemberg versammelt hat, wohnt dem Ereignis bei. Letztere ist lediglich skizzenhaft dargestellt, doch Siméon, der Minister, der die treibende Kraft der großen Reformen des Reiches war, ist vollständig in seinem französischblauen Gewand abgebildet.
Die Bürger Westphalens wohnen der Szene bei, wobei die unterschiedliche Kleidung auf die verschiedenen sozialen Klassen hinweisen.
Der gescheiterte Versuch, Macht auf Bilder zu gründen
Westphalen war zweifelsohne eine konstitutionelle Monarchie, doch lag die Macht vorwiegend in den Händen des Königs. Da das Königreich dem Rheinbund angehörte, diente die königliche Armee in erster Linie der Unterstützung von Napoleons Grande Armée.
Westphalen war also ein Vasallenstaat des französischen Kaiserreichs und löste sich nach Napoleons Niederlage in der Völkerschlacht von Leizpig im Jahre 1813 auf.
Bosios Fußbild gelangte nie nach Kassel. Wahrscheinlich sollte es ursprünglich den Kasseler Palast der Stände (das erste parlamentarische Amphitheater Deutschlands) zieren, der von dem französischen Architekten Grandjean de Montigny im Museum Fridericianum geschaffen wurde. Was das Gemälde anbelangt, so blieb es unvollendet: Dank Jérôme hielt sich Dupré ab Anfang 1812 in Rom auf und kam nie wieder nach Westphalen zurück.
Autor : Guillaume NICOUD
(Übersetzung : Beate E. RENNER)
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