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Ansicht vom Hof der Sorbonne. Ansicht vom Hof der Sorbonne.
Die Universität Friedrich Wilhelm im alten Palais des Prinzen Heinrich. Die Universität Friedrich Wilhelm im alten Palais des Prinzen Heinrich.
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Ansicht vom Hof der Sorbonne.

© Photo RMN-Grand Palais - J.-G. Berizzi

Vergrößerung und Zoom
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Titel : Ansicht vom Hof der Sorbonne.

Dimensionen : Hauteur 25.6 cm - Largeur 38.1 cm
Technik und weitere Angaben : Farbiger Stich.
Konservierungsort : MuCEM (Marseille) ; Webseite
Copyright-Vertrag : Agence photographique de la Réunion des musées nationaux. 254/256 rue de Bercy 75577 Paris CEDEX 12. Courriel : photo@rmn.fr ; Webseite
Bildreferenz : 03-011403 / inv.55.158.9C

Die Universität Friedrich Wilhelm im alten Palais des Prinzen Heinrich.

© BPK, Berlin, Dist RMN-Grand Palais - Photographe inconnu

Vergrößerung und Zoom
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Titel : Die Universität Friedrich Wilhelm im alten Palais des Prinzen Heinrich.

Technik und weitere Angaben : Stich von Friedrich August Schmidt nach einer Zeichnung von Jean Hubert Antoine Forst um 1820.
Konservierungsort : Bildarchiv Preussischer Kulturbesitz (BPK) (Berlin (Allemagne)) ; Webseite
Copyright-Vertrag : Agence photographique de la Réunion des musées nationaux. 254/256 rue de Bercy 75577 Paris CEDEX 12. Courriel : photo@rmn.fr ; Webseite
Bildreferenz : 06-531291

  Historischer Kontext

Das „Moment Napoleon“ und die Bildung zweier Universitätsmodelle

Im ersten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts werden in Frankreich und Preußen zwei verschiedene Universitätsmodelle gegründet. Stellen beide eine Reaktion auf die als veraltet geltenden mittelalterlichen Universitäten dar, so sind sie doch im feindschaflichen Kontext der napoleonischen Kriege vor allem gegeneinander gerichtet.
In Frankreich entspricht das napoleonische Universitätsmodell der Neugründung der Universität nach der französischen Revolution. Das Gesetz vom 10. Mai 1806 (ergänzt durch den Erlass vom 17. März 1808) definiert die kaiserliche Universität als „eine Einrichtung, die ausschließlich mit Lehre und öffentlicher Bildung im gesamten Kaiserreich beauftragt ist“: Der Staat will der postrevolutionären Gesellschaft einen Rahmen geben und die Ausbildung der Eliten kontrollieren. Die Universität folgt dem Modell der Schule, daher die Bedeutung der Aufnahmeprüfungen, die Reglementierung der Unterrichtsprogramme und die Trennung von Lehre und Forschung (diese wird dem Collège de France und den gelehrten Gesellschaften überlassen).
Nach der Niederlage bei Jena und Auerstedt im Jahre 1806 und der französischen Besetzung Berlins in den Jahren 1808-1810 entspricht die Gründung der Berliner Universität im Jahre 1810 dem Bedürfnis, den Verlust mehrerer Universitäten auszugleichen und den Staat mit einer eigenen „Nationalkultur“ auszustatten. Unter dem Einfluss Wilhelm von Humboldts, der im Innenministerium das Bildungswesen leitet, und der neuhumanistischen Bewegung wird ein neuer Typus von Universität gegründet, in der die Professoren Forschung und Lehre miteinander verbinden und die Studenten zum selbstständigen Denken angeregt werden. Berlin wird sehr schnell zum Vorbild für andere deutsche Universitäten und zur Referenz auf europäischer und sogar weltweiter Ebene.

  Bildanalyse

Das Prestige zweier zentraler Universitäten

Die Drucke setzen die Größe der beiden Universitäten in Szene, übergehen jedoch ihre Besucher. Diese Wahl der Darstellung hängt mit dem Misstrauen zusammen, das man in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts den Studenten entgegenbrachte: 1830 gibt es in Deutschland 16.000 Studenten, davon 6.000 in Preußen, in Frankreich sind es 7.400. In beiden Ländern waren sie an den zwischen 1820 und 1830 niedergeschlagenen Freiheitsbewegungen beteiligt und sollten sich 1848 dem Völkerfrühling anschließen.
Die Darstellungen wollen eher das Prestige dieser beiden eng mit dem Staat verbundenen Universitäten hervorheben. 1821 werden an der Sorbonne die sogenannten „akademischen“ Fakultäten für Theologie, Philologie und Wissenschaften neben den „professionellen“ Fakultäten für Recht und Medizin eingerichtet. Ihre Blütezeit erlebt die Universität während der Juli-Monarchie (1830-1848). Die liberalen Regierungen schützen fortan die Universität und ihre Professoren (Jules Michelet, Victor Cousin) vor kirchlicher Bevormundung. Der liberale Historiker Guizot ist übrigens von 1832 bis 1837 Minister für öffentlichen Unterricht. Die Universität wird zwar vom Staat kontrolliert (1835 verliert sie ihre finanzielle Autonomie), aber in wohlwollender Weise.
In Berlin ist es kein Zufall, dass die Universität im Palais des Prinzen Heinrich (dem Bruder von Friedrich II.) unter den Linden ganz in der Nähe des Stadtschlosses untergebracht wird. Nach dem Friedrich Wilhelm III. zugeschriebenen Satz – „Der Staat muss durch geistige Kräfte ersetzen, was er an physischen Kräften verloren hat.“ - erhält die Universität eine innen- und außenpolitische Aufgabe. Im Kontext der preußischen Renaissance wird die Universität 1828 in „Friedrich-Wilhelm-Universität“ umbenannt. Sie ist eine modernisierte und wie in Frankreich säkularisierte staatliche Institution, deren Professoren Beamtenstatus besitzen.

  Deutung

Paris und Berlin: Zwei sich spiegelnde Universitäten im 19. Jahrhundert

Die beiden Universitäten sind miteinander vergleichbar, da sie sich beide an der Spitze einer nationalen Hierarchie befinden und eine entscheidende Rolle bei der Ausbildung der nationalen Eliten spielen, auch wenn sich ihre Kontexte unterscheiden. In Frankreich wird die extrem wissenschaftliche Zentralisierung von der Juli-Monarchie nicht in Frage gestellt, und die Pariser Fakultäten behalten ihre Vorherrschaft bis um das Jahr 1860 (mehr als die Hälfte aller französischen Studenten waren bis dahin in Paris eingeschrieben). In Berlin werden die Studenten bereits vor der Einheit von 1871 auf nationaler Ebene rekrutiert: An der Universität studieren im 19. Jahrhundert im Durchschnitt 15 % aller deutschen Studenten, und dies trotz der breitgefächerten Universitätslandschaft. Fichte, der Autor der Reden an die deutsche Nation (1810), war übrigens ihr erster Rektor.
Doch der Vergleich sollte nicht die unterschiedliche Stellung der beiden Universitäten im europäischen Vergleich vergessen machen. Das 19. Jahrhundert ist von der Ausstrahlungskraft und Verbreitung des Humboldtschen Modells geprägt, das als das innovativste und wissenschaftlich erfolgreichste seiner Zeit galt. Die akademische Freiheit, die Einheit von Forschung und Lehre und der neue Unterricht in „Seminaren“ werden von französischer Seite – insbesondere nach der 1860 einsetzenden Krise der französischen Universität – mit Interesse und Neid beobachtet. Diese idealistische Sichtweise wird von heutigen Historikern, die auf die unterschiedlichen Umsetzungsgrade des Berliner Modells in Deutschland hinweisen, differenzierter bewertet.

Autor : Marie-Bénédicte VINCENT
(Übersetzung : Beate E. RENNER)


Bibliographie

  • Christophe CHARLE, La République des universitaires 1870-1940, Paris, Le Seuil, 1994.
  • Christophe CHARLE, Jacques VERGER, Histoire des universités, Kollektion « Que sais-je ? », Paris, P.U.F., 1994, 2. Ausgabe, 2007 aktualisiert.
  • Thomas NIPPERDEY, « La Prusse et l’université », Réflexions sur l’histoire allemande, Kapitel VIII, Gallimard 1992 für die französische Übersetzung.
  • André TUILIER, Histoire de l’Université de Paris et de la Sorbonne, Band 2, De Louis XIV à la crise de 1968, Paris, Nouvelle Librairie de France, 1994.

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