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Unterzeichnung des Versailler Vertrags

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Unterzeichnung des Friedensvertrages im Spiegelsaal von Versailles.

© BPK, Berlin, Dist RMN-Grand Palais - Photographe inconnu

Vergrößerung und Zoom

Titel : Unterzeichnung des Friedensvertrages im Spiegelsaal von Versailles.

Autor : William ORPEN (1878-1931)
Entstehungsdatum : 1921
Historisches Datum : 28 juin 1919
Technik und weitere Angaben : Öl auf Leinwand.
Unterzeichnung des Versailler Vertrags durch die deutsche Delegation am 28. Juni 1919 im Spiegelsaal von Versailles.
Konservierungsort : Bildarchiv Preussischer Kulturbesitz (BPK) (Berlin (Allemagne)) ; Webseite
Copyright-Vertrag : Agence photographique de la Réunion des musées nationaux. 254/256 rue de Bercy 75577 Paris CEDEX 12. Courriel : photo@rmn.fr ; Webseite
Bildreferenz : 04-507383

Animation

  Historischer Kontext

Die Friedensschließung von 1919 - ein Risiko

Die Pariser Friedenskonferenz wird am 18. Januar 1919 in Versailles eröffnet. Zwei Monate nach Waffenstillstand bleibt folgende Frage offen: Wie in Europa nach einem derart verheerenden Konflikt den Frieden wiederherstellen? Die Friedensregelung steht von Anfang an auf tönernen Beinen, denn alle kriegsführenden Parteien sind davon überzeugt, dass sie 1914 aus gutem Grunde in den Konflikt eingetreten sind. Frankreich wie Deutschland fühlen sich beide als angegriffene Seite. Die Vertragsbestimmungen, die auf Grundlage des Postulats der alleinigen Kriegsschuld Deutschlands ausgehandelt werden, können rechts vom Rhein nicht akzeptiert werden. Deutschland ist übrigens zu den Verhandlungsgesprächen nicht einmal eingeladen, eine in der diplomatischen Geschichte vollkommen neue Verfahrensweise. Darüber hinaus gibt es fühlbare Diskrepanzen zwischen den Siegermächten, was die Situation noch komplizierter macht. Der vom amerikanischen Präsidenten, dem Demokraten Wilson, gepriesene Frieden steht somit dem verbissenen, französischen Willen gegenüber, den Erbfeind, sprich Deutschland, zu vernichten. Großbritannien wiederum bemüht sich wie eh und je um ein Mächtegleichgewicht auf dem europäischen Kontinent und achtet krampfhaft darauf, dass Frankreich nicht all zu begünstigt wird. Diese Spannungen belasten die Erarbeitung des Friedensvertrags; die endgültige Fassung wird am 28. Juni 1919, genau fünf Jahre nach der Ermordung von Erzherzog Franz-Ferdinand in Sarajewo, unterzeichnet.

  Bildanalyse

Das Gemälde von Sir William Orpen, während des Konflikts akkreditierter Maler der englischen Armee, ist eine Art Bilderbogen des historischen Ereignisses und wurde vielfach in Schulbüchern angebildet. Der Offensichtlichkeit der Szene – die deutschen Bevollmächtigten Müller und Bell unterzeichnen mit einer Todesmine unter dem herrischen Blick von Wilson, Clemenceau und Lloyd George den Vertrag - fehlt es jedoch keineswegs an Feinheiten. Es scheint, als wolle Orpen, der stark von seiner Erfahrung in den Schützengräben kennzeichnet war, den scheinbaren Glanz der alliierten Staatschefs etwas dämpfen. Er relativiert die Größe der siegreichen Regierungsoberhäupter, indem er sie durch die enorme, das obere Dreiviertel des Gemäldes einnehmende Deckenhöhe des Spiegelsaals erdrückt. In den Spiegeln ist ringsum kein Widerschein zu erkennen: Der Saal gegenüber ist leer. Die zuvor zum Kampf gezwungenen Völker Europas sind zu diesem diplomatischen Ballett nicht eingeladen. Der Künstler bringt diesen Zusammenhang und die damit verbundenen Fragen zum Ausdruck, indem er die Inschrift „Le Roy gouverne“ (Der König regiert) in der oberen Bildmitte reproduziert hat. In direkter Verbindung dazu ruft sein 1923 geschaffenes Gemälde To the unknown British Soldier killed in France eine lebhafte Polemik hervor. Ursprünglich war darauf ein von einem Union Jack umhüllter, von zwei gespenstischen Soldaten umsäumter Sarg abgebildet. Schließlich wurde diese erste Komposition unter dem Druck der englischen Behörden übermalt. Der Ort, den Orpen bei dieser ersten Version darstellte, war ebenfalls das Schloss des Sonnenkönigs.

  Deutung

Ein bedeutender Wendepunkt in der schnellen Geschichte des 20. Jahrhunderts

Zwei Jahrzehnte und zwei Monate nach der Unterzeichnung bricht der Versailler Vertrag endgültig auseinander, als England und Frankreich dem nationalsozialistischen Deutschland den Krieg erklären. Hitlers Invasion von Polen ist Kriegsgrund, denn die Bestimmungen von 1919 ein unabhängiges Polen vorsahen. Da „die Siegermächte es ablehnten, die Besiegten vollwertig wiedereinzugliedern, zerbrachen die geringen Chancen auf einen dauerhaften Frieden“ (Eric J. Hobsbawm, L’âge des extrêmes, Brüssel, Complexe, 1999, S. 60.), denn Deutschland konnte die Bürde der alleinigen Kriegsschuld von 1914-1918 nicht alleine tragen. Bereits bei seiner Unterzeichnung stellt der Versailler Vertrag nur wenige zufrieden. Clemenceau freut sich selbstverständlich über die Geschlagenen-Haltung der deutschen Vertreter: „Am Tage der Unterzeichnung, als die Spiegel des Sonnenkönigs nur noch die Irrlichter der großen, runden Brillen, welche die Verwaltungsköpfe zierten, widerspiegelten, als die verkrampften Gesichter den seichten Gesten einer verdrießlichen Höflichkeit widersprachen, sahen sie weniger prächtig aus. Es herrschte eine tragische Stille.“ (Georges Clemenceau, Grandeurs et misères d’une victoire, Paris, Plon, 1930, S. 343.) Doch die harten Vertragsbestimmungen, insbesondere was die Reparationen anbelangt, wurden nur teilweise durchgeführt. Wilsons Projekt des Völkerbunds mangelte es an Glaubwürdigkeit, da es keine internationalen Militärstreitkräfte vorsah und seine Ratifizierung schließlich im März 1920 vom amerikanischen Senat abgelehnt wurde. Die von den Verhandlungskommissionen vorgenommene Gründung neuer nationaler Einheiten, wie z.B. Jugoslawien, trug keineswegs zur Wiederherstellung des Friedens auf dem europäischen Kontinent bei, sondern bildete lediglich den Keim für zukünftige Kriege. Der Versailler Vertrag war somit lediglich eine Art Ruhepause in einem Jahrhundert voller Kriege.

Autor : François BOULOC
(Übersetzung : Beate E. RENNER)


Bibliographie

  • Jacques BAINVILLE, John Maynard KEYNES, Les conséquences politiques de la paix, Les conséquences économiques de la paix, Paris, Gallimard, Kollektion « Tel » (Doppelband), 2002, [1919 bzw. 1920].
  • Jean-Michel GAILLARD, « Versailles, 1919 : la paix des vainqueurs », L’Histoire, 232, Mai 1999, S. 76-85.
  • Georges-Henri SOUTOU, L’or et le sang. Les buts de guerre économiques de la Première Guerre mondiale, Paris, Fayard, 1989.

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