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Das Eisenwalzwerk (Moderne Zyklopen).

© BPK, Berlin, Dist RMN-Grand Palais - Klaus Göken

Vergrößerung und Zoom

Titel : Das Eisenwalzwerk (Moderne Zyklopen).

Autor : Adolf Friedrich Erdmann von MENZEL (1815-1905)
Dimensionen : Hauteur 158 cm - Largeur 254 cm
Technik und weitere Angaben : Öl auf Leinwand.
Konservierungsort : Alte Nationalgalerie (Berlin) ; Webseite
Copyright-Vertrag : Agence photographique de la Réunion des musées nationaux. 254/256 rue de Bercy 75577 Paris CEDEX 12. Courriel : photo@rmn.fr ; Webseite
Bildreferenz : A I 201

Animation

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  Historischer Kontext

Die zweite industrielle Revolution in Europa

In den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg war Deutschland zweifelsohne die größte Industrienation Europas. Seit dem 18. Januar 1871 und nach dem Sieg über das Zweite Kaiserreich eines niedergehenden Napoleon III. war das Land unter der Vorherrschaft der preußischen Monarchie wieder vereint. Frankreich, insbesondere aber Großbritannien hatten ihre erste industrielle Revolution bereits Ende des 18. Jahrhunderts eingeleitet und standen Mitte des 19. Jahrhunderts am Anfang ihrer zweiten industriellen Revolution. Die Stärke Deutschlands lag zu diesem Zeitpunkt sowohl im Überfluss seiner Kohle- und Eisenerzreserven in Schlesien und im Ruhrgebiet, als auch in den Initiativen großer Industrieller wie Krupp (Eisen- und Stahlindustrie) oder Borsig (Dampfmaschinen). Die rasante Modernisierung des Landes kommt dem Anstieg des Pro-Kopf-Einkommens zu Gute und wirkt sich auch auf die deutsche Geburtenrate positiv aus. Sie zieht vor Allem die grundlegende Veränderung der Lebens- und Arbeitsbedingungen von Millionen von Männern und Frauen nach sich, die massenweise vom Land in die Städte strömend in Fabriken anheuern und sich in den Vororten der Großstädte zusammendrängen.

  Bildanalyse

Im Herzen der Schmiede

Genau zu diesem Zeitpunkt wird auch Adolf Menzel (1815-1905) - in den Jahren um 1840 ein Meister der Gravurkunst - als Illustrator bekannt. Als bald wird er von Preußen und dem Reich geschätzt, erhält zahlreiche Auszeichnungen und Aufträge für Ölgemälde. Das Eisenwalzwerk ist zu Recht eines seiner bemerkenswertesten Werke. Trotz der scheinbaren Konfusion einer ins Halbdunkel getauchten Szene, zeichnet sich die Komposition in Realität durch ihre durchaus rigorose Ordnung aus. Horizontale und vertikale Linien strukturieren das Gesamtbild und begrenzen so die jeweiligen Szenen mit dem Ziel, deren Verständnis zu erleichtern. Die Rundung des großen Mühlrads im Fluchtpunkt wird bei den kleineren Rädern rechts im Bild übernommen, die weit geöffnete Zange wird vor Allem durch die Arme der Schmiede im Vordergrund reflektiert. Das Echo dieser Form suggeriert eine mechanische, eintönige Umdrehungsbewegung, der sich die Arbeiter beugen und die zur allgemeinen Dynamik der Szene beiträgt. Der Mittelpunkt des Gemäldes, das geschmolzene, flüssige Metall scheint alle anzuziehen, die sich mit seiner Bearbeitung befassen. Die restliche Szene, in dunkle Nuancen getaucht, zeigt Personen, die der Aktion selbst den Rücken kehren und sich mit anderen Dingen beschäftigen. Die Sorge ums Details geht ins Extreme: Werkzeuge, Kostüme, Gesten, sogar Emotionen scheinen wie aus dem Leben gegriffen.

  Deutung

Maschinen im Dienste des Menschen, oder der Mensch als Sklave der Maschinen?


Ein ausgeprägter Naturalismus zieht den Betrachter magisch in den Bann der Aktion: Wenn das Auge nur an der zentralen Szene festhalten würde und man der mythologischen Metapher nachginge, so könnte man eine Gruppe von Feuer und Metall bezwingenden Schmiedegöttern erkennen - moderne Riesen, welche die Industrie und die Macht Deutschlands formen. Menzels Untertitel vermittelt jedoch, dass auch die scheinbar nebensächlichen Teile des Werks von Bedeutung sind. Vom Feuer geblendet und dazu verdammt, in einer Höhle zu hausen, wo sich Luftmangel, Schmutz und Hitze paaren, sind die Arbeiter an ihre Maschine gekettet. Es gibt keine Möglichkeit, den Maschinen zu entkommen. Symbolisch gefangen durch vertikale Metallstangen, die an Gitterstangen eines Verlieses erinnern, sind sie sogar gezwungen, ihre Mahlzeit vor Ort einzunehmen. Sie scheinen abgearbeitet, ausgelaugt, von Maschinen, Arbeitsrhythmus, langem Arbeitstag, Last und Gleichförmigkeit der Arbeit entmenschlicht. Ohne Zweifel ist dies der Preis, den die herrliche deutsche industrielle Revolution dem Menschen abverlangt und den Menzel hier zelebriert, indem er beiläufig die Arbeits- und Lebensbedingungen der Arbeiter der Neuzeit aufzeigt.

Autor : Alexandre SUMPF
(Übersetzung : Beate E. RENNER)


Bibliographie

  • Jacques DROZ, L'Allemagne, Band 1: La formation de l'unité allemande 1789-1871, Paris, Hatier, 1970, Neuauflage 2003.
  • Michel HAU, Un siècle d’histoire industrielle en Allemagne. Industrialisation et société (1890-1970, Paris, SEDES, 1998.
  • Menzel, 1815-1905 « La névrose du vrai », Ausstellung im Musée d’Orsay, Paris, 15. April-28. Juli 1996, Ausstellungskatalog erarbeitet unter der Leitung von Claude Keisch und Marie Ursula Riemann-Reyher.

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